Lügt Gerd Brust von den Kölner Grünen?

Lügt Gerd Brust von den Kölner Grünen?

In der aktuellen Ausgabe der Stadtrevue ist eine bemerkenswerte Aussage von Braunkohlefan Gert Brust, Umweltpolitischer Sprecher der Grünen,  zu lesen. Kontext: die Forderung von »Tschö RheinEnergie«, den schmutzigen Braunkohlebock des Rheinenergie-Heizkraftwerk in Merkenich still zu legen. Hier die betreffende Passage des Artikels:

Nur, wie diese Ablösung aussehen soll, darüber herrscht Uneinigkeit. »Wenn in Merkenich das Braunkohlekraftwerk stillgelegt würde, müsste günstiger Strom an der Börse gekauft werden«, erklärt Gerd Brust, umweltpolitischer Sprecher der Grünen. Dieser Strom stamme aus Kraftwerken der RWE, würde der Umwelt also noch mehr schaden. Es müssten, so Brust, zunächst die »schlechten, alten Kraftwerke« stillgelegt werden.
http://www.stadtrevue.de/archiv/archivartikel/8065-melkkuh-in-halbtrauer/

Die Aussage ist falsch. Natürlich muss kein Strom an der Börse gekauft werden. Es wäre eine von vier möglichen Lösungen, und es wäre die Schlechteste. Es gibt noch drei andere Lösungen:

  1. Die Rheinenergie baut neue, regenerative Kraftwerke, die die Versorgung der Kunden übernehmen. Das wäre allerdings eine Option, die eher mittelfristig realisiert werden könnte, also einige Jahre in Anspruch nehmen würde. Es wäre aber gut, JETZT die Weichen für eine solche alternative Versorgung zu stellen.
  2. Die Rheinenergie sichert sich Stromkontingente durch Zukauf bereits bestehende Anlagen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Dies wäre in Monaten zu schaffen. Die Rheinenergie hat diesen Schritt mit dem Zukauf von bestehenden Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen in der Vergangenheit bereits getan (rechnet deren Stromproduktion aber über das Erneuerbare Energien-Gesetz ab).
  3. Die Rheinenergie kauft Strom direkt von Erneuerbaren Öko-Kraftwerken („Bilaterale Handelsverträge“). Ohne den Umweg über die Strombörse, wo nur Strom gekauft werden kann, nicht aber eine bestimmte Erzeugunsgart, in dem Falle Ökostrom.

Dramatisch an dieser Falschaussage ist: Gerd Brust hat entweder gelogen oder schlicht keine Ahnung. Ich weiß nicht, was schlimmer ist, schließlich ist Brust seit Jahren Mitglied im Aufsichtsrat der Rheinenergie, da erwarte ich eine gewisse Expertise.
Also hat Brust gelogen?
Alfons Kloeck von der Bürgerinitiative „Tschö Rheinenergie“  hat weitere Informationen: „Das Heizkraftwerk in Merkenich ist wärmegeführt„, so Kloeck. Das bedeute, dass der Betriebszweck des Kraftwerkes die Herstellung von Wärme sei, der Strom sei sozusagen eine Art Abfallprodukt. Zudem fordert „Tschö Rheinenergie“ die Abschaltung des alten Braunkohleblocks und stattdessen den Betrieb des modernen Gas-Blockes. Dieser jüngere Gas-Block des Heizkraftwerkes kann die Leistung des alten Braunkohle-Klimakillers übernehmen – zurzeit steht er still und wird lediglich als Ausfall-Reserve vorgehalten. Tschö Rheinenergie rechnet vor, dass Rheinenergie durch die verantwortungslose Verfeuerung von Braunkohle 10-15 Millionen Euro pro Jahr einspart gegenüber der umweltfreundlicheren Alternative Erdgas. Nur: wo ist auch hier die von Energie-Laie Gerd Brust skizzierte Fatalität, an der Börse Strom kaufen zu müssen?

Dabei geht Brust seit Jahren mit unsinnigen Verknüpfungen gegen die Forderung nach einem ökologischen Umbau der Rheinenergie – einem der schmutzigsten Stromanbieter Deutschlands – vor:

Der Energieversorger ist zu 80 Prozent im Besitz der GEW Köln, an der die Stadt Köln mittels der Stadtwerke zu 100 Prozent beteiligt ist. Diese wiederum führen einen Großteil ihres Überschusses an die Stadt ab. Im Haushalt 2015 sind dafür 60 Millionen Euro vorgesehen. Zugleich subventionieren die Gewinne der Rheinenergie den Betrieb der KVB. »Und wenn die KVB im Fahrplan kürzen muss, ist das auch nicht im Sinne des Umweltschutzes«, sagt Gerd Brust von den Grünen.
http://www.stadtrevue.de/archiv/archivartikel/8065-melkkuh-in-halbtrauer/

Das ist in etwa die gleiche Argumentation wie: Die Mafia ist zwar schlecht, finanziert aber auch gute Sachen.
Kennt Gerd Brust keine andere Finanzierungsmöglichkeiten von Öffentlichem Nahverkehr als schmutziges Kohlegeld? Warum sollte sich der Gewinn der Rheinenergie überhaupt schmälern bei Umstieg auf Erneuerbare Energie? Ist die Kohleverstromung alternativlos, um einen dichteren KVB-Takt zu erhalten?

Gerd Brust: Lügner oder Dilettant?


Lars Lange

 

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Update 25.02.16
Noch unsinniger wird die Aussage Brusts, wenn man bedenkt, dass der Strom direkt zu den abnehmenden Werken über eine Rheinenergie-eigene Leitung gelangt. Dann fällt auch das Netzentgeld komplett weg. Also selbst wenn der Strom durch das Gaskraftwerk doppelt so teuer wie der Kohlestrom wäre, so wäre das immer noch günstiger, als Börsenstrompreis plus Netzentgelte.

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