Heimat

| von Lars Lange

Um der kapitalistischen Missionierungsbewegung der Globalisierung zu entkommen, ist eine neue Ortsbestimmung von Nöten.

Die Mission der Globalisierung ist das Unterfangen, alle Menschen unserer Erde unter das Banner der Großkonzerne zu zwingen und sie an die Fremdversorgungsnetze der Kapitalmonarchie anzuschließen. Das leistet der Globalisierungs-Kreuzzug vor allem durch die Vernichtung der autochthonen kulturellen Identitäten, nachfolgend durch Zerschlagung vorgefundener Eigenversorgungs-Ökonomien. Also führt die Vorhut der Globalisierung notwendigerweise zuallererst einen Kulturkampf.

Die Abwehrschlacht gegen die Globalisierung kann nicht an dieser Frontlinie gewonnen werden. Sie wird an der Heimatfront, in der Heimat gewonnen: durch die Rückbesinnung auf und die Reinvention von Heimat. Denn die entfesselte, liberalisierte, globale Wirtschaft kann nicht kontrolliert oder in den Dienst gestellt werden, sie kann nur durch etwas ersetzt werden, welches äußerlich einer lokalen, horizontalen, heimatlichen Ökonomie gleich kommt.
Heimat ist der Ort, ein semipermeabler Raum, der Parallelprozesse ermöglicht. Differenzen bildet, um notwendige Dualitäten zu kreieren.
Die Halbdurchlässigkeit der Membran, von denen Heimaten umgeben werden, ermöglicht Selbstorganisation und einen selbstbestimmten Austausch mit dem, was nicht Heimat ist.
Dabei entstehen flüssige Räume, die sich gegenseitig anschmiegen, sich gegenseitig formen.

Heimat wird – so gedacht – zum Humus einer kulturellen, polyzentrischen Gegen-Entwicklung.
Der Versuch ist also: Uns aus dem Würgegriff der Globalisierung mittels einer denkerischen Doppelbewegung zu befreien.
Zum Einen wird erprobt, den Begriff Heimat durch die Idee der Denationalisierung zu komplementieren, oder schärfer gesprochen: Heimat und Nation als Antipoden zu entlarven.
Zum Anderen wird gegen die Ideologie der Globalisierung der Terminus Planetarisierung, das planetare Denken, in Stellung gebracht.
Heimat kommt vom indoeuropäischen Wort <kei> und bedeutet „liegen, Lager, vertraut“.
Heimat ist also nichts qua Geburt fest vergebenes, vom Ursprung her kommend, sondern eine leichte, vielleicht flüchtige Liebe an einen überschaubaren und beschaulichen Umkreis auf unserem gemeinsamen Planeten. Eine Wahlheimat, eine Wahrnehmung.
Kein Blut. Kein Boden.
Heimat: eine Liebeserklärung.

 

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