M06

Samstag – 08//11//14

Was ist die Mustertheorie/Musterpraxis?
Thomas Schlechte . Ob Individuum, Gruppe, Institution, Gesellschaft oder Politik – der europäische Alltag weißt einen hohen Grad an Zersplitterung auf und spiegelt diese historische Tendenz in unserer Umgebung wider: LEGO-Häuser, systematische Stadtplanung „von oben“, die Trennung von Familienleben/Berufsleben, Wohnort/Arbeitsort, Freunde/Kollege, Konsum/Produktion. Wir Europäer sind dafür prädestiniert unsere Lebensbereiche in Einzelteile zu zerlegen, diese zu systematisieren und das normierte Puzzle-Set im Baukastenformat überschauen und kontrollieren zu wollen – um diese bei Bedarf austauschen zu können. Ausgeprägte Folgen und auch Vorteile dieser Perspektive sind uns allen bekannt: Wirtschaftswachstum, Spezialisierung, technischer Fortschritt, materieller Wohlstand, wissenschaftliche Erkenntnisse. Nachteile treten an den Stellen auf, wo reduzierte Systeme ihre Anschlussfähigkeit an den (natürlichen) Kontext verlieren – eine Folge der Abstraktion. Systemische Externalitäten müssen internalisiert werden, d.h. in eine weitere Abstraktion münden, um die Legitimation des alteingesessenen Systems nicht zu gefährden. Alltägliche Folgen dieses Flickenteppichs der Lebensbereiche können sein: innere Konflikte wie Stress, Depressionen, Vereinsamung; monotones Handeln im Arbeitsalltag; das „Festfahren“ von Institutionen und gewachsenen Strukturen; sowie die Unfähigkeit der Politik Krisen des kleinen Mannes zufriedenstellend zu lösen. Solange Dinge und Sachverhalte getrennt werden, ohne die gekappten Beziehungen wieder ganzheitlich zu integrieren, geht das Entscheidende verloren: die Bedeutung.

Der britische Architekt und Mathematiker Christopher Alexander entwickelte seit den 1970ern in seinen Publikationen eine Sichtweise, die sich von der Absolutheit der naturwissenschaftlichen Methodologie lösen will – die Mustertheorie und Musterpraxis. Den Wert rationalen Denkens erkennt er dabei durchaus an, denn die rationale Beschreibung der Natur ist korrekt. Seine Kritik konzentriert sich auf das Fehlen des konkreten Kontextes und die abstrakte Manifestation dieses Denkens in der Praxis. Postmoderne Gebäude, als unnatürliche Artefakte gedanklicher (durchaus korrekter) Abstraktionen, sind demnach ein Zeugnis dafür, welchen Einfluss eine rationale Denkweise auf die subjektive und gesellschaftliche Realität hat. Individuellen Handlungsvorschlägen wird aufgrund der fehlenden theoretischen Grundlage subjektiver Wahrnehmungen keine Anwendungskompetenz zugesprochen. Er resümiert, dass die Wissenschaften uns lediglich über die Fakten informieren, uns aber keine Handlungsvorschläge geben, was damit zu tun sei. Er erkennt den Bedarf für eine individuelle, aber teilbare Perspektive, und eine Methodik, welche es erlaubt, verschiedene Faktoren im Ganzen koexistierend einzugliedern, um eine gemeinsame Praxis jenseits von Dogmen zu erzeugen. Das Spektrum der Wissenschaft muss erweitert werden, und das kann gelingen, wenn eine holistische Methodologie, koexistierend und gleichberechtigt neben einer kategorialen (naturwissenschaftlichen) Methodologie etabliert wird. Kernfragen des Vortrags werden sein:

  • Was ist die Mustertheorie/Musterpraxis? Was will sie? Was kann sie bewirken? Was nicht?
  • 1+1=“3″ – Wie kann das sein?
  • Wie kann die Mustertheorie und/oder die Musterpraxis für den Zuhörer nützlich werden?

Thomas Schlechte ist Doktorand für Mustertheorie und Musterpraxis an der Alpen Adria Universität Klagenfurt zum Thema: »Die Untersuchung der generativen Sequenz/Spirale in der Tradition Christopher Alexanders auf Tauglichkeit als paradigmatisches Vorgehensmodell für nachhaltige Systementwicklung.«

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Friedensbildungswerk Köln. Ausstellungshalle 17.00 Uhr

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20:00 Philosophie
Was heißt Denken in der Politik? Teil2

Machtergreifung der Wächter in der Politik.
Philosophen trauen sich nicht mehr, den Anspruch, mal Könige zu werden, zu erheben, verkrochen an ihren Hochschulen liefern sie bestellte Rechtfertigungen für das Treiben der „Wächter“, um die „Masse“ ruhig zu halten.
Wozu braucht man noch Philosophien in einer politischen Gemeinschaft?
Vortrag von und Streitgespräch mit
Dr. Marek Zmiejewski

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22:00 Gong Konzert
mit Michael Reinker, bildender Künstler und Phaenomenologe
“Das Ohr ist mit dem Herzen verbunden”
Bitte bringt zum Gong Konzert eine Decke mit.
Ausstellungsraum

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Filminstallation

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